50 Jahre fränkisches Urgestein
Die beeindruckende Bühnenreise des German Keller – Vom „Dicken Trum aus Speck“ bis zum „Cop von Würzburg-West“
In der Welt der fränkischen Fastnacht gibt es viele Aktive, aber nur wenige Institutionen. German Keller ist eine solche Institution. In der Session 2025/26 blickt der leidenschaftliche Fasenachter auf ein stolzes Jubiläum zurück: Seit genau einem halben Jahrhundert steht er auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten. Seine Karriere ist dabei nicht nur eine Chronik des Humors, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte der regionalen Brauchtumspflege.
1975: Ein politisch-geistlicher Startschuss
Alles begann im Jahr 1975 in Greußenheim. Der damalige Ortspfarrer Eberhard Ritter gründete zusammen mit engagierten Bürgern die erste Faschingsgruppierung des Ortes, die „Ziebeltrater“.

German Keller war von der ersten Stunde an dabei – fast schon zwangsläufig, wie er heute schmunzelnd erinnert: „Mein Vater, damals Bürgermeister von Greußenheim, unterstützte die Gruppe aktiv, sodass mir ja gar nichts anderes übrig blieb, als mitzumachen. Aber im Ernst: Ich wollte es ja unbedingt!“.
Nach ersten Gehversuchen im Männerballett wurde schnell sein Talent für das gesprochene Wort und die Moderation entdeckt. Als „Dickes Trum aus Speck“ – eine liebevolle, stimmgewaltige Anspielung auf den legendären Dieter Thomas Heck – moderierte er die erste Greußenheimer Playbackshow und legte damit den Grundstein für seinen Ruf als rhetorisches Schwergewicht der Region.
Musikalische Meilensteine: Von den „Vielharkomischen“ bis zur Weltreise
Die Musik war für den gelernten Musiker der Musikkapelle stets der Taktgeber seiner Auftritte. 1980 gründete er aus den „Frankenland-Musikanten“ heraus die legendären „Vielharkomischen“ – eine Guggemusik-Gruppe, die wie eine Bombe einschlug. Mit Auftritten von Würzburg bis Volkach wurde die Formation überregional bekannt. Später prägte Keller über zwei Jahrzehnte hinweg als Teil der Sitzungskapelle der Gilde Giemaul in Heidingsfeld den Sound der dortigen Prunksitzungen.
Seine Tuba führte ihn sogar über den Ozean: Bei einer vierwöchigen USA-Tournee wurde er von einem amerikanischen Moderator als „Tubaman, the Superman“ angekündigt – ein Titel, den er später in der Heimat mit seiner Kult-Nummer der „Super Tuba“ parodierte. Unvergessen bleibt dabei die Anekdote aus Heidingsfeld, als er mit seinem voluminösen, selbstgebauten Tuba-Gestell nach einem üppigen Essen sprichwörtlich oben im Türrahmen hängen blieb.
Der „Cop von Würzburg-West“: Wenn der Dienst zur Kultrolle wird
Den absoluten Höhepunkt seiner Laufbahn markierte das Jahr 1992. Inspiriert von DJ Ötzis Erfolgshit „Anton aus Tirol“ erschuf German Keller seine Paraderolle: den „Cop von Würzburg-West“. Da Keller im echten Leben als Polizeibeamter im Dienst war, verlieh er der Figur eine unnachahmliche Authentizität. Die Mischung aus Uniform, trockenem Dienst-Humor und musikalischer Begabung machte den „Cop“ zum Dauerbrenner auf den fränkischen Bühnen.
Meister der nächtlichen Improvisation Wie sehr German Keller die Bühne im Blut hat, beweist eine Geschichte aus dem Jahr 1989. Mitten im Eigenbau seines Hauses erschien er ohne eine einzige Zeile Text erst um 20:30 Uhr zur Generalprobe. Auf die Frage der Regie, was er denn mache, entschied er sich spontan für das Thema „Eiszeit“ und die Rolle eines Polarforschers. Erst nach 23 Uhr begann er mit dem Schreiben; um 3 Uhr morgens war die Nummer inklusive neuer Liedtexte wie „Gletschereis im Garten“ fertig und wurde nur Stunden später zum vollen Erfolg.
Ein Botschafter Frankens
Ob als „Häuptling Singing Bull“ an der Seite von Michl Müller in Regensburg oder mit seinen „Gaudi-Profis“ auf Bühnen von Oberstdorf bis Bayrischzell – German Keller hat in 50 Jahren fast jede bedeutende Bühne des Freistaats bespielt.
Trotz seiner enormen Reichweite und Rollen wie dem Fußballfan oder dem Polarforscher ist er eines immer geblieben: Ein gebürtiger Greußenheimer mit Herz, der es versteht, sein Publikum mit einer Mischung aus Witz, Charme und einer kräftigen Prise fränkischer Direktheit zu verzaubern.
